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Queer Lecture: Pädophilie – Verbrechen ohne Opfer?

15. Januar 2020
19:30
- 21:00

Seit Beginn der 1970er Jahre wurde in Teilen der Sexualwissenschaft, der Schwulenbewegung und des alternativen Milieus über eine mögliche Entkriminalisierung „gewaltfreier und einvernehmlicher“ sexueller Handlungen zwischen Erwachsenen und Kindern diskutiert. Konservative Kommentator*innen sind sich einig, dass eine übertriebene sexuelle Liberalisierung hierfür verantwortlich war.

Jenseits solch moralisierender Zuschreibungen will der Vortrag Antworten darauf geben, was die – heute kaum mehr nachvollziehbare – Debatte um Pädophilie ermöglichte und auszeichnete. Zwei Aspekte stehen im Fokus: die Rolle der Sozialwissenschaften sowie gesellschaftliche Machtbeziehungen, etwa zwischen den Generationen, aber auch entlang von Kategorien wie Geschlecht, Klasse und race. Die Pädophiliedebatte erscheint so als Ausdruck umfassenderer gesellschaftlicher Entwicklungen nach „1968“.

Forschungsprojekt zu wissenschaftlichen Diskursen um Pädophilie seit den 60ern

Dr. Jan-Henrik Friedrichs ist Historiker an der Universität Hildesheim und Redakteur der Zeitschrift WerkstattGeschichte. Er wurde an der University of British Columbia mit einer Arbeit zur Heroin- und Hausbesetzerszene in Berlin und Zürich promoviert. Anschließend arbeitete er in einem Forschungsprojekt zu wissenschaftlichen Diskursen um Pädophilie seit den 1960er Jahren (Leitung: Prof. M. Baader). Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen die westeuropäische Macht- und Kulturgeschichte nach 1968 sowie die Gender-, Jugend-, Stadt- und Bewegungsgeschichte. Zurzeit befasst er sich im Rahmen eines DFG-geförderten Forschungsprojekts mit den Auswirkungen des sogenannten Radikalenerlasses von 1972 an Schulen.

Eine Queer Lecture über sexuelle Liberalisierung, wissenschaftliche Diskurse und gesellschaftliche Machtverhältnisse in der „Pädophiliedebatte“ der 1970er Jahre. Eintritt frei. Spenden willkommen.

Eine Veranstaltung von

Queeres Kulturhaus E2H