Aktualisierte Pressemitteilung zur Kritik an der IQN-Lecture „Transgender: Geschlechtergerechtigkeit passé?“

Angesichts der Kritik an der Queer Lecture unserer Partnerin, der Initiative Queer Nations (IQN), erklärt das Queere Kulturhaus:
Es war keineswegs die Absicht, weder der Veranstalter noch der Aktivistin Gunda Schumann, mit dem Ankündigungstext der Lecture Transmenschen zu verletzen oder herabzuwürdigen. Darin war von Transgeschlechtlichkeit als einem „Irrweg“ die Rede. Wir bedauern die entstandenen Irritationen von Herzen.

IQN-Vorständin Christiane Härdel erklärt: „Die Veranstaltungsankündigung für die Lecture Transgender: Geschlechtergerechtigkeit passé? mit Gunda Schumann war missverständlich formuliert. Es ist uns natürlich nicht daran gelegen, Transmänner und Transfrauen zu diffamieren oder ihre Gefühle zu verletzen. Auch soll die queere Community nicht gespalten werden. Es tut uns sehr leid, dass unser Text diesen Eindruck erweckt hat. Wir wollen in unseren Lectures Fragen quer zum ideologischen und zum politischen Mainstream aufwerfen. Im Vordergrund steht die mitunter schonungslose Analyse von neuen Entwicklungen.“

Vorständin Queeres Kulturhaus Berlin Christiane Härdel

Vorständin Queeres Kulturhaus Berlin (und IQN) Christiane Härdel (Foto: Brigitte Dummer)

Darum, so Härdel, hält die IQN an der Veranstaltung fest*. Allerdings werden Ankündigungstext wie Titel überarbeitet. Und natürlich darf und soll – wie von vornherein geplant – im Anschluss an die Lecture über die Thesen von Schumann gestritten werden.
„Bei der kommenden Veranstaltung soll es um die Problematik gehen, die sich aus der Transkultur ergeben kann, vor allem aus feministischer und lesbischer Perspektive, aber auch aus juristischer Sicht und unter medizinischen Aspekten“, so IQN-Vorständin Härdel. „Die Lecture wird darum aus unserer Sicht selbstverständlich stattfinden.“

Grundsätzlich gilt für die IQN wie auch für das E2H: Wir stehen für Diversität, nicht für Ausgrenzung oder Diffamierung. Der Vielfalt verschreiben wir uns aber auch, wenn es um das breite Spektrum von Meinungen geht – sofern sich diejenigen, die sie äußern, im grundgesetzlich geschützten Rahmen bewegen. Darum wollen wir auch weiterhin kontroversen Thesen und Meinungen Raum bieten, die anderswo möglicherweise tabuisiert werden.

Der Vorwurf, der Verein IQN sei grundsätzlich transfeindlich, macht uns traurig. Es gab im vergangenen Jahr mehrere Veranstaltungen, sowohl der IQN wie auch des E2H – etwa die Lecture mit Marion Hulverscheidt „Aus eines Mannes Mädchenjahren“ oder die Lecture der Transaktivistin Livia Prüll „Der Trans*mensch als Mitmensch“. Im Anschluss fand jeweils ein lebhafter Austausch mit den Gästen statt, denen die Vortragenden und wir sich selbstverständlich stellten.

Auch im laufenden Jahr 2020 sind neben der Lecture von Gunda Schumann zahlreiche Veranstaltungen und zwei große Ausstellungen geplant, die sich mit allen Facetten der LGBTI-Gemeinde befassen und ihnen Sichtbarkeit verschaffen.

Wir hoffen für die Zukunft auf ein gedeihliches Miteinander, bei dem strittige Fragen jedoch nicht unter den Teppich gekehrt werden.

(*UPDATE am 2.3.2020: Die Lecture findet nicht statt. Gunda Schumann hat sie zurückgezogen.)

Das Queere Kulturhaus E2H am 26. Februar 2020