Queer(ing) Xmas – Positionen der Zuneigung (Events)

Queer(ing) Xmas – Positionen der Zuneigung

Eine Kooperation des Sonntags-Club mit dem Queeren Kulturhaus E2H

Unsere Veranstaltungen: 

Jeweils eine halbe Stunde vor Beginn jeder Veranstaltung bieten wir eine Kurzführung durch unser Ausstellungsprojekt an.

Sonntag 1. Dezember

(c) Luisa Landsberg

ab 16 Uhr: Vernissage Queering Xmas – Positionen der Zuneigung

Mittwoch 4. Dezember

(c) Promo

16 – 18 Uhr: Salonkonzert Sternenstaub: Gospel & Blues mit Daniel Dodd-Ellis and friends und gelesene Sternenstaubpoesie

Donnerstag 5. Dezember

(c) privat

16 – 18 Uhr: Performance & Lesung: Traude Bührmann zum 50-jährigen Erscheinen der „Guérillères“ von Monique Wittig.

Dienstag 10. Dezember

e2h Berlin
(c) Didine van der Platenvlotbrug/Evran Öztürk

16 – 18 Uhr: Trans- und Tunten-Generationensalon mit Patsy l’Amour laLove. Gäste: Daria Majewski und Gaby Tupper

Mittwoch 11. Dezember

(c) Rinaldo Hopf

16 – 18 Uhr: Lesung: Rinaldo Hopf & Alexander von Agoston („Mein schwules Auge“ 1989 -2019 und andere (be-)sinnliche Texte)

Sonntag 15. Dezember                         

(c) Jörn Hartmann/privat     

ab 16 Uhr: Come together! – die E2H-Weihnachtsfeier mit Live-Musik von Sigrid Grajek und Dame Leyla sowie dem Julklapp. Bitte ein kleines, gut verpacktes Geschenk mitbringen!

Donnerstag 19. Dezember

(c) privat

16 – 18 Uhr: Christmas-Blues-Konzert mit Cornelia Geiger // Wir zeigen Filmszenen aus „Lesbiana“ (Kanada, 2012)

Gedenkfeier zum 90. Todestag von Dr. Hans Holbein

Kämpfer für Freiheit des Dritten Geschlechts

Am Freitagabend findet in Weimar eine Gedenkfeier mit Justizminister Dieter Lauinger zum 90. Todestag von Dr. Hans Holbein statt

Am 14. September jährt sich der Todestag des thüringer Rechtsanwaltes Dr. Hans Holbein zum 90. Mal. Aus diesem Anlass laden die Initiative Holbein-Stiftung, der Verein QueerWeg und das Haus der Weimarer Republik zu einer Gedenkfeier am Vorabend des Todestages. Hauptredner ist der Justizminister des Freistaates Thüringen Dieter Lauinger (Grüne). Ralf Dose von der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft hält einen Vortrag über Leben und Wirken von Dr. Hans Holbein (1864-1929).

e2h Berlin
mögl. Erscheinungsbild des
Grabsteins Holbeins auf dem Weimarer Friedhof
(Fotomontage: A. Zinn/Holbein-Stiftung)

Holbein war ein Mitstreiter des Sexualreformers Magnus Hirschfeld und setzte sich zeit seines Lebens für die Abschaffung des § 175 ein, mit dem homosexuelle Männer verfolgt wurden. 1919 gründete er die „Holbein-Stiftung“ an der Universität Jena. Überdies machte er die Uni zur Alleinerbin. Mit dem Erbe sollte sie einen Lehrstuhl zur Erforschung der Homosexualität einrichten. Doch die Uni schlug das Erbe aus, weil, so die Begründung, die Universität ansonsten „zu einem Sammelpunkt unerwünschter Elemente würde“.

Nach seinem Tod am 14. September 1929 wurde Holbein auf dem Weimarer Friedhof bestattet. Auf seinem Grabstein wurde die von ihm gewünschte Inschrift angebracht: „Hier ruht in Gott Dr. Hans Holbein, Anwalt des Rechts, Kämpfer für Freiheit des 3. Geschlechts“. Nach der NS-Machtübernahme wurde der Grabstein dann zerstört, die Inschrift wurde „ausgemeißelt“.

Anlässlich des 100. Jahrestages der Holbein-Stiftung haben inzwischen mehr als hundert Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Politik und Gesellschaft die Rehabilitierung von Dr. Hans Holbein, die Wiederherstellung seines Grabsteins und die Verwirklichung seines Vermächtnisses gefordert. Die Initiative steht unter der Schirmherrschaft der Ministerpräsidentin a. D. des Freistaates Thüringen Christine Lieberknecht (CDU). Weitere Informationen unter holbein-stiftung.de

Queer Lecture: Aus eines Mannes Mädchenjahren

„Aus eines Mannes Mädchenjahren“ (am 9. September 2019)

Eine Queer Lecture in Kooperation mit dem Queeren Kulturhaus, der Initiative Queer Nations und der taz.

Die Medizinhistorikerin Marion Hulverscheidt war am Montag zu einer  Queer Lecture in die taz-Kantine gekommen. Sie hat am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin ihre medizinhistorische Dissertation über weibliche Genitalverstümmelung im deutschsprachigen Raum im 19. Jahrhundert verfasst.

In ihrer Lecture ging es um den Autor des autobiographischen Romans „Aus eines Mannes Mädchenjahren“, der unter dem Pseudonym N. O. Body erschien. Dahinter verbirgt sich Karl M. Baer (geboren am 20. Mai 1885 in Arolsen als Martha Baer; gestorben am 26. Juni 1956 in Israel). Hulverscheidt konstruierte – soweit möglich – auf Grund des Romans und einer kärglichen Quellenlage das Leben und die Transition Baers.

e2h Berlin
Medizinhistorikerin Marion Hulverscheidt (re) im Gespräch mit E2H-Vorstand Christiane Härdel (Foto: E2H)

Die Mutter fand, dass sich das Kind knabenhaft entwickelte. Im Buch, dessen Neuauflage im kommenden Jahr erscheint, heißt es, das Kind habe am liebsten Indianer gespielt und wurde – mangels Talent – vom Handarbeitsunterricht befreit. In der Pubertät blieb die Menstruation aus. Nie hatte ihr Bett Blutflecken. Darum wechselte sie später alle sechs Wochen die Wäscherin, damit es niemand bemerkte.

Als junge Frau wurde Baer ins polnische Galizien geschickt. Sie hielt dort Vorträge, gründete Frauenvereine. Man bewunderte ihre Redegabe. Was man merkwürdig an ihr fand, war ihre tiefe Stimme.

Hulverscheidt spricht von einem Stellvertreter-Aktionismus -für das, was sie war oder empfand, hatte sie damals keinen Begriff.  Baer setzte sich also gegen Frauenhandel in Galizien ein und forderte mehr Mitarbeit der Frauen in der zionistischen Bewegung.

Ab Herbst 1906 war sie bei Magnus Hirschfeld in Berlin gemeldet, der ein Gutachten erstellte, fünf Seiten auf der Maschine geschrieben. Darin hieß es u. a., der Gang sei männlich, es sei beim Gehen „kein Schwingen von Hüften und Schultern“ zu beobachten. Auch bestehe kein „weiblicher Ordnungssinn“.

Martha war verliebt in Beile Halpern, eine Frau. Wurde von Selbstmordgedanken geplagt, weil sie den Menschen, den sie liebte, nicht haben konnte.

Am 8. Januar 1907 wurde dem Antrag auf Korrektur stattgegeben, das Standesamt Arolsen korrigierte den Geburtseintrag. Baer lebte fortan als Mann und heiratete Halpern. Umbenennen wollte er sich in Magnus Theodor Carl Baer, erlaubt war aber nur ein Vorname. Im Verfahren von 1907 auf amtliche Feststellung der männlichen Geschlechtlichkeit trat als Gutachter der Berliner Arzt Georg Merzbach auf.

Unklar ist, ob damals bei Baer eine nach heutigem Verständnis geschlechtsangleichende Operation stattfand. Eine Operation war im Gutachten von Hirschfeld nicht empfohlen worden. Es liege auch kein OP-Bericht vor, auch der Name eines etwaigen Operateurs sei nicht bekannt, so Hulverscheid. Ihre These: Vielleicht hat es sich damals nur um eine Beschneidung gehandelt. Dazu kam die äußerliche Verwandlung: Das Kopfhaar trug Karl kurz, ließ den Bart wachsen, trug Hemd und Hose.

Hulverscheidt benutzte in ihrer Lecture bewusst nicht den Oberbegriff LGBTIQ. Sie orientierte sich am Titel des Buch: „Aus eines Mannes Mädchen Jahren.“ Sie entschied sich, der Selbstzuschreibung Baers zu folgen, mochte keine Fremdzuschreibung vornehmen.

Überhaupt riet sie zu Gelassenheit in diesen „identitätsvernarrten Zeiten“, wie es mal im Tagesspiegel stand. Auch sei das Geschlecht nur eine von vielen Zuordnungsformen.

Hulverscheidt begrüßte ausdrücklich das 2018 geänderte Personenstandsgesetz. „Jetzt ist erreicht was Hirschfeld schon 1907 gefordert ist: Über die Binarität hinaus muss es noch 3. Option geben.“ Das 20. Jahrhundert nennt Hulverscheidt das „Jahrhundert der Binarität“. Es gab nur entweder oder, schwarz oder weiß, Mann oder Frau.